Samstag, 2. September 2017

Die Welt wird kratzen an der Tür – Casper, mach mir den Campino wieder jung

Review: Casper - Lang lebe der Tod (2017)

Das hätte auch so nach hinten los gehen können. Ist es aber nicht! Rein als Fan seiner Texte, bleibt es auf hohem Niveau, auch ein paar nette Rapfetzen (Sirenen) lucken um die eine oder andere Ecke. Nur diesmal hat er auch auf seine Band gehört (?) und singt endlich! Bei der Stimme habe ich mich schon immer gewundert, das er das sich nicht so richtig trauen wollte. Dann werden es auch richtig tolle Songs, siehe Flackern, flimmern.


Möchte aber gar nicht am Ende der starken Scheibe anfangen. XOXO (2011) war ein Urknall und mein erster Gedanke damals (Der Druck steigt (Die Vergessenen Pt. 1)), ich wäre so gerne um die 20 und hätte mir alles wieder geholt was sie mir geraubt haben. Meine linksradikale Steinewerfer Seele, war dermaßen angefixt, das ich tatsächlich mit 44 ein oder zwei Tränen verdrückte. Insgesamt, mit Auf und davon, Michael X, Alaska und Das Grizzly Lied waren genügend emotionale Granaten dabei.

Auf dem Nachfolger Hinterland (2013) war die Emotionsdichte zwar nicht mehr ganz so groß, aber trotzdem vorhanden. Mag auch daran gelegen haben, das Hinterland eher ein Zwischenspiel war, was man einlegt um sich seiner Wurzeln zu besinnen, das großartige Lux Lisbon zeugt davon.


Nun erscheint Casper endlich angekommen zu sein, obwohl er noch zu viele Rockabstriche macht. Wohin gegen er die Hiphop Szene und ihre dummen Protagonisten, gar nicht weit genug in die Wüste schicken kann. Wenn er von homophoben Rapern spricht (Lass sie gehen), weiß man wenn er meint. Zugleich dreht er sich von einer Szene weg, die ihn nie haben wollte und zeigt ihnen den sprichwörtlichen Mittelfinger. Gut so!

Morgellan mach da weiter und der Mittelfinger geht diesmal in Richtung Verschwörungstheoretiker, Fake News Nazis und Montagsspaziergänger oder ähnliches Gesindel. Das Casper so klar politisch sich bekennt, wird am Ende mithilfe eines kleinen Gitarrensolos und dem Outro sehr deutlich. Und dann singt er den wohl besten Rock Song auf der Scheibe, Wo die wilden Maden graben könnte auch von den Hosen sein. Eigentlich wünscht man sich , das Campino und Casper nun auch Bekanntschaft schließen, dann rettet er nach dem deutsch Rap auch noch den deutschen Punkrock. Man wird ja wohl noch träumen dürfen!

Fehlt nur noch Singer/Songwriter, nein fehlt nicht. Mit Deborah u. Meine Kündigung findet sich das auch auf dem Album. Damit komme ich zum Fazit. 


Das Album ist nicht besonders umfangreich, die reine Spiellänge beträgt nur 40 min., der tatsächliche Content geht darüber aber deutlich hinaus. Selten eine deutsche Platte in den letzten Jahren in die Finger bekommen, die mich so zum Nachdenken aufgefordert hat und mich nicht ruhig schlafen lässt. Weil sie teils noch Hiphopelemente beinhaltet, aber gleichzeitig davon Abschied nimmt, wie man Zwischenstationen hinter sich lassen muss. Anschließend in Punkrockgefilden wildern und zuletzt sogar noch das Singer/Songwriter Genre aufnimmt, kann man fast von „To Much“ sprechen. Casper bekommt es aber irgendwie hin. Das macht es dann auch aus, Casper ist halt das Licht am Ende des Tunnels, um nicht in irgend eine schlechte Floskel zu verfallen. So lebt der Tod dann noch eine ganze Weile länger, Viva La Revolution! 5/5

Gruß Stephan

1 Kommentar:

  1. "Und dann singt er den wohl besten Rock Song auf der Scheibe, Wo die wilden Maden graben könnte auch von den Hosen sein."
    Ist wohl die schlimmste Beleidigung, die man einem Musiker machen kann.
    Stephan, Du bist wirklich grenzenlos schwachsinnig, ich hoffe du beerdigst diesen räudigen Block so schnell wie möglich, es ist keum zu ertragen, wie schlecht du schreibst.

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