Freitag, 21. September 2018

Intensives Tech Noir - Observer (2017)



Krakau 2084. In den verregneten Straßenzügen der polnischen Metropole erwacht
Daniel Lazarski in seinem Dienstfahrzeug. Müde, abgeschlafft wie das vergrämte Antlitz der verlotterten Stahlstadt selbst. In dieser düstermattierten Zukunftsvision ging der Mensch einst eine folgenschwere Fusion mit der Maschinenwelt ein. Augmentierte Cyborgs wurden zu Alltagsrealitäten, der Erdkreis innerlich wie äußerlich vernetzt. Robust-gestählte Gelenkfabrikate an Stelle schwächlicher Muskulatur, VR-Geflechte in den Hirnwindungen und hochauflösende Displaypupillen für verbesserte Sehkraft waren nur Teilkonstrukt der ultratechnisierten, neuen Scheinwelt, ehe eine seuchenähnliche Bedrohung diese glänzend-sterile Fassade in zahllose Splitter zerschmetterte. Vor den gräulichen Hintergrundkulissen des immerwährenden Ost-West-Konflikts traf der Scherbensturm auch das stolze Neo-Krakau mit der explosiven Wucht tausender Sonnen. Gesellschaft wie Technologie wurden um Jahrzehnte zurückgeworfen, Unzählige fielen der verheerenden Seuche zum Opfer, die die cybernetischen Implantatstrukturen befiel. Aus der Asche der gefallenen Zivilisation erhob sich der machtvolle Techkoloss Chiron als alleinherrschendes Instrument, die Klaviatur der Technikspiralen beliebig bespielbar. Die Realität seither, trübe und dreckig. Heruntergekommene Mietskasernen beherbergen anonyme, teilaugmentierte Bewohner, mindestens genauso marode und heruntergewirtschaftet in Geist und Habe. Im starken Kontrast zur Rüstungsvision der Maschinenwesen stehen nun MS-DOS-artige Blinkklötze in den abgewrackten Wohnzellen.

Lazarski steht in Diensten des Konzerns als eine Art Cyberdetektiv - die Erkundungssinne mit technologisch- wie biologischen Scannern geschärft - der sich in künstliche Schädelimplantate hineinversetzen, sie wie einen herkömmlichen Datenübertragungsstick anzapfen und in Erinnerungsfetzen der betreffenden Person bewegen kann. Seinesgleichen nennt man



 >Observer_




Urplötzlich surrt das altbackene Bordtelefon, während Regentropfen unbändig an die beschlagenen Scheiben klopfen. Daniels verlorener Sohn Adam, hochdekorierter Ingenieur bei Chriron meldet sich mit blecherner Stimmlage, stammelt wirre Phrasen. Der Kontakt war nie der Engste, dennoch fühlt der alternde Ermittler die väterliche Emotion in seinem halbmaschinellen Körper pochen. Schnell ist der Herkunftsort des mysterösen Anrufs ausfindig gemacht und Lazarski steuert auf dem feuchtspiegelnden Asphalt in Richtung eines schäbigen Wohnklotzes. Regenschauer peitschen auf die rostigen, mit Kameralinsen versehenen Eingangstore, ehe dem nachdenklichen Detektiv Einlass gewährt wird. Gelbgrünliche Farbtöne bestimmen von nun an das Bild des hochartifiziellen Gebäudeinneren, ein Reinigungsbot gleitet leise brummend durch einen trübilluminierten Gangbereich, sorgt für ein seltsam steriles Stimmungsgefüge. Im ockerfahlen Schummerlich lehnt ein zwielichtig aussehender Hausmeisterverschnitt hinter einer schmutzigen Verglasung, fast wirkt er mit der dämmrigen Umgebung verschmolzen. Glatzköpfig, augmentiert, wortkarg.

Nach kurzem Dialog mit dem knurrigen Gangwart möchte sich Lazarksi gerade näher in den ranzigen Korridoren umsehen, da befindet sich der taumelnde Gebäudekomplex mit einem Mal im Status der Abriegelung. Niemand kann hinaus, niemand hinein. Erklärung Fehlanzeige. Heimspiel für das Bloober Team.

Die polnische Spieleschmiede mit passendem Sitz in Krakau versteht sich auf verstörende Erlebnisse in beengter Umgebung. Schon das vorherige Werk "Layers of Fear", ein beängstigender Psychotrip in die verzerrten Abgründe einer desillusionierten Künstlerseele, spielte mit dem Unerwartbaren in den einsamen Hallen eines opulenten Herrenhauses. Räume, die nach Kameraschwenk mit veränderter Architektur und Einrichtung den Spieler verwirrten, trafen auf eine soundtechnisch dichtgesprenkelte Untermalung des nicht greifbaren Grauens, Visionen ertrunken in Bächen voll Alkohol und Tränen. Furchterregende Fratzen sprangen aus vormals musenhaft schönen Portraits, der Künstler selbst als wahnhafter Grenzgänger auf dem innerlichen Scherbenhaufen verflossener Hochphasen. Parallelen der Geschichten gefallener Helden finden sich auch bei Observer Daniel Lazarski.

Blade-Runner-Ikone Rutger Hauer übernahm hier die Synchronarbeit für den wankenden Protagonisten in dieser Cyperpunkversion moderner Furchterzählung. Hinter all den wässrigen Nuschelsätzen dringt immer wieder verschmitzte Ironie an die technoide Oberfläche. Sein Charakter wächst somit beständig ans Herz des neutral beobachtenden Spielers. In genau diesen Momenten beginnt sich die Sogwirkung des Datenthrillers vollends zu entfalten. Während Lazarski durch die stummen Flure des fremdartigen Mietsbunkers tappt, huschen aufgeschreckte Vögel durch die verkabelte Einöde. Die Kontaktaufnahme zu den wenigen Mietern gestaltet sich in der denkbar entmenschlichsten Form, durch ein verzerrt-unscharfes Kameraauge vor der verschlossenen Wohnungstür. Auf diese Weise erfährt der Ermittler von den verschrobenen Hausbewohnern manch pikante Information zuviel über Nachbarn, Situation und Zustand. Während dieser Recherchen stößt Daniel in einem blutüberströmten Raum zu seinem Entsetzen auf den grotesk entstellten Leichnam eines augenscheinlichen Hausgenossens. Routinemäßig geht er daraufhin seiner Haupttätigkeit nach, dem Erforschen der finalen Augenblicke des Dahingeschiedenen. Dadurch offenbart sich der zweite spielerische Hauptstrang des Spielerlebnisses. Die Gedankenwelt des Mordopfers. Letzte Momentaufnahmen als befremdlicher Bilderreigen. Ruckartige Fragmente. Scharfe Schnitte. Cut. Nächste Vision.

Der Spieler bewegt sich in kunstvollen Albtraumszenarien voller gesichtsloser Kreaturen, flimmernden Wegpunkten, so als tauche er in ein defektes Netzwerk ein, ein mikriges Kilobyte im virulenten Datenmaelstrom. Dort gibt es situativ gestreute Aufgaben, sei es die bloße Erfassung der angezapften Erlebnisse oder die blanke Flucht vor einem nachtmahrartigen Technoiden. Manifestation verdrängter Schuld? Verloren im Schlund einer konvergierten Techhölle, bratzende Scanner, flackernde Partikel. Wer ist dieser alternde Daniel Lazarski im zerbeutelten Trenchcoat? Wird der Spieler hier Zeuge eines persönlichen Niedergangs inmitten einer gebeutelten Kultur, die kargen Dämmerappartements Spiegelbild einer gebrochenen Seele? 

Fragen, auf die der Spieler Antworten finden wird.

Auf diese Weise wird er selbst Teil des Systems. Ein Observer.










 

Dienstag, 18. September 2018

Warum glaubt niemand mehr deutschen Politikern?

Am Freitag den 14. 09. 2018 wird es der Parteivorsitzenden der CDU und Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland zu bunt. Horst Seehofer, Parteivorsitzender der CSU und Innenminister der Bundesrepublik Deutschland und Andrea Nahles, Parteivorsitzende der SPD und ex Arbeitsministerin der Bundesrepublik wird mitgeteilt, die Personalie einer untergeordneten Behörde, wird die Regierung nicht trennen. Näheres dazu am heutigen Dienstag den 18. 09. 2018 um 16:00.

Nun ist es fast 23:00 Uhr und ich sitze relativ fassungslos vor meinem PC und überlege wie ich das Komödientheater in Worte fassen soll. Die Personalie Hans-Georg Maaßen hat sich als Verfassungsschutzpräsident erledigt, das gilt es schon mal fest zu halten. Horst Seehofer ernennt ihn einfach zum Staatssekretär im Inneren und alles ist wieder in Butter? Ja wer glaubt das den tatsächlich?

Die AFD wird es freuen, darf nun der Herr Staatssekretär seine politische Einschätzung, wie sie dem Verfassungsschutz entgeht, unumwunden in aller Form mitteilen. Also demnächst Gauland und Maaßen, einträchtig eine Havanna rauchend im Hinterzimmer, eines deutschen Bundestages. Nicht nur die Havanna raucht, auch die Köpfe. Fantastische Aussichten! Ja leck mich doch am Arsch!

Ich bin empört und hoffe dass das nicht so schnell unter dem Teppich gekehrt wird, was diese Damen und Herren unser Demokratie mit dem Posten- Geschacher antun. Man muss sich mal vor Augen führen, angesichts der miesen Stimmung die AFD, Pegida, Nazischweine geradezu befördern, zählt jede politische Stimme, die das Problem als Problem benennen und Wege aufzeigen wie wir da friedlich wieder raus kommen. Schwierig genug, oder?

Dann ziehen die eine so asoziale Aktion wirklich durch? Und wir jagen sie nicht alle aus dem Amt? Natürlich jagen wir sie aus dem Amt. Nur befürchte ich der Verlust an Vertrauen, treibt den falschen Parteien, die Wähler in die offenen Arme. Dann haben wir ein wirkliches Problem. Immer noch Fassungslos, hoffentlich kann ich schlafen! Ach, wenn juckt das schon! 5 Cent las ich noch da.

Gruß Stephan

Samstag, 15. September 2018

Avec - Heaven/Hell (2018) - Vorstellung

Eine Oberösterreicherin Singer / Songwriterin, hört sich erst mal unspektakulär an. Wirklich? Bis man dann die aktuelle CD in Rotation setzt. Das doch Lorde, nein ich schwöre, das auch Alanis Morissette. Gibt es nicht, never! Als der zweite Song „Over Now“ seine Atmosphäre verbreitet, vernehme ich doch tatsächlich die isländische Truppe Of Monsters and Men. Muss mich verhört haben, repeat. 
 

Nein, mit „Under Water“ nähern wir uns der Entdeckung des Monats, fange ich schon an zu feiern. Avec heißt im richigen Leben Miriam Hufnagl und das passt schon eher zu Österreich. Mit 14 Jahren brachte sie sich das Gitarre spielen selbst bei und Geige hatte sie schon davor drauf. Aktuell will sie wohl noch Lehrerin werden, parallel tingelt sie mit ihrem vorliegenden Album, durch halb Europa.


Wohl nur in Österreich bisher, hier in DE hab ich bis zum aktuellen Album noch nichts gehört, hatte sie mit dem Song „Granny“ wohl viel Aufmerksamkeit erregt. Da sie darin die Alzheimer Erkrankung ihrer Oma vertonte und er einen Werbespot untermalte. Für ihr Debüt (What If We Never Forget) gab es Nominierungen beim Amadeus Award 2016 u. 2017.


Der Titelsong hat diese feine düstere Klangstruktur, die das Nebeneinander von „Heaven/Hell“ gut verdeutlicht. Das vorliegende Songmaterial, erreicht nicht ganz die zerbrechliche Intensität von Popikone Lorde, auch die unberechenbare Wut von Alanis, wird nur angedeutet. Für ein zweites Album ist es sauber produziert, konnte keinen großen Brüche fest stellen. Mutiger, beim Einsatz von mehr Instrumenten, würde ich für das nächste mal empfehlen. 
 

Kleine Höranekdote, beim Durchhören musste ich die ganze Zeit an Arnold Schwarzenegger denken und sein grausames Österreich - Englisch, was einem in Interviews manchmal richtig weh tut. Das hat Avec gar nicht, das ist astreines Singer / Songwriter Englisch und niemand ahnt, woher Avec tatsächlich kommt. Das verspricht, wenn sie so weiter macht, eventuell einen kommenden internationalen Star, aus Oberösterreich und niemand wundert sich dann wie ich.


1. Love
2. Over Now
3. Under Water
4. Close
5. Heavan / Hell
6. Breathe
7. Still
8. Leaving
9. Alone
10. Yours
11. Body (Bonus)
12. Dear (Bonus)

Freitag, 14. September 2018

Königreich des Gähnens - GK #136

 
Bildergebnis für königreich der ameisen

Die Zutaten für dieses Hörspiel waren durchaus vorhanden. Ein strategisch-überlegt handelndes Ameisenheer von überdimensionaler Körpergröße terrorisiert die exotischen Amazonasauen, errichtet mit ungezügelter Naturgewalt ein beispielloses Königreich vor den verschlossenen Augen der machtvollen imperialen Krone. Diese verharmlost den krabbelnden Schrecken mit gnadenloser Arroganz in der scheinbar sicheren britischen Heimatfeste. Am Ende nichts als blanke Verbitterung in den Gesichtern der gezeichneten Überlebenden des einzigen, fahrlässigen Anstrengungsversuch der satten Machthaber etwas dagegen zu unternehmen. Das blitzschnell kommunizierende Kollektiv der Ameisenschar mit seiner kühlen Effizienz scheint dem heißblütigen Menschen überlegen zu sein.

Die generelle Umsetzung dieser von H.G.Wells konzipierten Abenteuergeschichte gerät jedoch zur rasanten Talfahrt jener flinken Ameisenstrategen ins Königreich des Gähnens. Der serientypisch angekündigte Grusel, gut versteckt im dichten Dschungelreich.


1899 erhält der playboyverdächtige Kapitän Guerillea den für ihn unwürdigen Auftrag sein heißgeliebtes Kanonenboot "Benjamin Constant" zu satteln und gen Amazonasgewässer loszudüsen um Eingeborene zu schützen und eine mysteriöse Bedrohung zu untersuchen. Ihm zur Seite stehen eine erfahrene Mannschaft und der junge Brite Lucas Holroyd, seines Zeichen Ingenieur und Erzähler. Heißsporn Guerillea und Frischling Holroyd verstehen sich auf Anhieb prächtig und verbringen das gesamte erste Drittel der Hördauer mit ausgiebigen Gesprächen über Land, Frauen und der Sinnhaftigkeit der Mission. Garniert wird dies mit ständigem Alkoholkonsum und Holroyds Klagen über die omnipräsente Mückenplage. Guerillea stört das nicht, er sieht sich vielmehr als Herr des Flusses, über Kanonendonner und Frauenwelt. Ein kurzer Vergnügungsausflug an Land wird nur galant erwähnt, als amouröses Kapitel verzeichnet, in dem sich auch der sonst so distanzierte Erzähler keine Blöße zu geben scheint. Viel mehr akustische Aktion erfolgt beim Lieblingszeitvertreib des Kapitäns, dem grundlosen Erlegen der im Wasser lauernden Alligatoren als kulturell-knallender Höhepunkt der Reise durch die hypnotischen Ödnisspiralen des Flusslaufs.

Stichwort Akustik. Diese zeigt sich detailverliebt realitätsnah und sehr plastisch. Vom stetigen Zirpen der Grillen und Zikaden im undurchdringlichen Buschwerk, dem Klappern von Gläsern vor dem Hintergrund knisternden Kaminfeuers der heimeligen Kapitänsloge bis hin zum dröhnenden Rattern der Schiffschrauben und Wummern der Dampfmaschine, deren maschinelle Wucht die Exotikkulisse erbeben lässt. Alles ist hörbar intensiv, auch die dampfige Schwüle des fremdartigen Klimas ist so exakt gestaltet, dass die schweißnassen, mückenumschwirten Hemden in der funkelnden Glut der untergehenden Abendsonne fast fühlbar sind.

Wer sich jetzt fragt, wann und wo die titelgebenden Ameisen denn nun wüten, der sei notdürftig auf die immerhin spannende Inspektion eines angegriffenen Dorfes verwiesen. Hier finden sich Spuren der brachialen Aggressoren, eine unheilvolle Stille stummer Zeuge der Gewalt. Leer und trostlos, das pulsierende Leben entwichen entpuppt sich die vormals beschwingte Behausung, eine der Lustquellen in denen Guerillea und Konsorten der Überheblichkeit frönten, zur mahnenden Ruinenstätte.

Als in der Folge auch noch ein herrenloses Boot samt massakrierter Besatzung entdeckt wird, haben  endlich die ominösen Ameisen ihren großen Auftritt und krabbeln bühnenreif aus den Leichen. Erste Crewmitglieder finden den Tod und die gelangweilte Stimmung des vormals eher relaxten Flussgeschippers schlägt in apokalyptische Sphären um. Passend dazu entbrennt ein tosendes Gewitter, ein weiteres Aufheulen der Natur angesichts der unerwünschten Eindringlinge. Der von Mission und Lage nun hasserfüllte Kapitän entwickelt sich etwas zu schnell vom einst souveränen Wichtigtuer zu einem dauerbrüllenden Irren, der alles und jeden zusammenstaucht und mit wahnhaftem Blick in Richtung der militanten Krabbeltiere faucht. Bei einem schieren Blick bleibt dann auch die meiste Action, der Erzähler steht in sicherer Entfernung zu den faszinierend organisiert auftretenden Ameisenhorden und berichtet über das Spektakel. Guerillea lässt aus allen Rohren ballern und ein hollywoodreifer Kanonendonnerschauer posaunt den Hörer aus der Entspannung der vorherigen zwei Drittel. Ein Feuerstoß in der Nacht. Der Feind scheint diffus, nicht wirklich greifbar, so als hätte der mattschwarze Dschungel seine Fratze entblößt, um sein Territorium mit Macht zurückzuerobern. Mit genügend Feuerkraft und noch mehr Geschrei des Kapitäns wird schlussendlich die ameisenbesetzte Nusschale filmreif versenkt und die zermürbte Besatzung samt alkoholsierten Guerillea tritt den Heimweg nach Großbritannien an.

Dort angekommen sitzt der desillusionierte Erzähler in einem feinen Büro in steriler Atmosphäre und erstattet aufgeregt Bericht. Mit ergriffener Stimme schildert er das Erlebte, die Furcht, den Wahnsinn und die Sorge um das Heimatland. Das Versenken eines einzelnen Boots war schließlich nicht mal ein Teilerfolg, unzählige Kreaturen würden in den dunklen Schleiern der Wildnis lauern und das gesamte Amazonasgebiet einnehmen, sich gar weiter ausbreiten und die Weltherrschaft anstreben, inklusive dem stolzen Empire. Doch seine flammende Rede stößt auf taube Ohren, zu selbstzufrieden legen die Zuständigen das Geschehen zu den staubigen Akten mit dem belustigenden Verweis auf die unumstößlichen Macht der britischen Krone. Somit gehen alle Beteiligten in eine ungewisse Zukunft.

Ameisenangriffe, die aus der sicheren Obhut eines Fernglases heraus verfolgt werden, Reiseführerstimmung anstatt packender Urgewalt. Charaktere wie die des Kapitäns, die mit gewaltigen Overacting an die Grenzen der Seriösität gehen. Trotz manch stimmiger und auch entspannter Momente bietet das vorliegende Hörspiel wenig Erbauliches. Der versprochene Grusel verliert sich sowieso kurz nach Fahrtantritt in sumpfigen Gewässern. Warum man auf der einen Seite sehr darauf bedacht war, die grüne Hölle authentisch zu vertonen, auf der anderen Seite jedoch schlicht vergessen hat die gefährlichen Ameisen mit Soundeffekten zu versehen, bleibt wohl auf ewig ein Geheimnis der Hörspielmacher. Wenn sie mal nicht in den sowieso ständigen Erzählungen, Gerüchten und Überlieferungen vorkommen, verkommen die wenigen wirklichen Auftritte der Insekten zu belustigend stillen Versionen scheinbar akuter Gefahr. Verstärkt wird dies noch durch die konsequent distanzierte Haltung des Erzählers, der nur kommentiert, sich jedoch nie aktiv im Zentrum des intensiven Geschehens befindet um den Hörer dadurch mitzureißen.

Die Moral von der sorglosen Weltmacht und die realistische Sounduntermalung sind gelungen, Augenblicke echter Schauer oder ein konstanter Spannungsbogen sind jedoch verbesserungswürdig.




Mittwoch, 12. September 2018

Ausgefeilte Ästhetik - Echo (2017)

Betrachtet man die generelle Visualisierung mancher Projektarten, fallen einem schnell unterschiedliche Ansatzwege der Gestaltungsform auf. So geschehen in besonders puristisch hervorstechender Form im 2017 für den PC (und Playstation 4) veröffentlichten Echo.






In diesem Stealthactioner schlüpft man in die Rolle von En, einer klinisch-androgynen Skizzierung klassischer Abenteuerfiguren und erforscht die unterschiedlichen Ebenen eines gewaltigen Palastbauwerks, dringt immer tiefer zum Kern vor und stellt sich unzähligen Klonen seiner selbst. Zuerst entdeckte, bewegungsunfähige Teilstücke verkommen nach und nach zu diesen hochgefährlichen Kreaturen, deren mattschwarze Bosheit die glänzenden Oberflächen des Prachtbaus zu überziehen droht. Clou dieses Prinzips ist, dass jene Klonwesen die Bewegungsabläufe und Aktionen der Spielfigur erst lernen und jene dann nach jedem, plötzlich aufretendem Neustart des hochtechnologischen Gebäudes perfekt imitieren können. In diesen Rebootphasen verdunkeln sich die gleißenden Lichtquellen der hundertfachen Kronleuchter. Die vormals starren Imitationen erwachen, greifen erbarmungslos an und wenden die erlernten Fähigkeiten fortan auch in den erneuten Lichtperioden an. Somit wollen Waffeneinsatz wie schnelle Sprints wohlüberlegt sein. Der Spieler dagegen hat die recht geradlinige Aufgabe, diverse Gegenstände aufzusammeln und Energiequellpunkte zu aktivieren, um so auf der Erkundung des fremdartigen Alienpalazzos voranzuschreiten.

Da sich der Spielablauf bis zum philosophisch angehauchten Ende nur marginal ändert, ist eine gewisse Wiederholungsermüdung gegeben. In den finalen Levelteilen kommen zur schnell gewohnten Klonarmee noch exorbitant mächtigere Ungetüme hinzu, die Jagd auf beide Seiten machen. Die wahren Stärken liegen jedoch bei weitem an anderer Stelle. Der hypnotischen Atmosphäre.

Soghaft. Verträumt. Porentief rein und dennoch voll diffusem Unbehagen. Schon die Anfangsmomente bei wildem Schneetreiben auf der Suche nach dem Einstieg ins seelenlose Glanzgewölbe gestalten sich rau und ungezähmt. Befindet man sich dann im Inneren des Prachtkorsetts wandelt man die ersten Stunden in seltsam intimer Isolationsspähre durch hellfließende Gänge, marmorgefließte Hallen und imposante Treppenflure. Vorbei an prunkvollen Stühlen, opulenten Tischkonstruktionen voll feinsten Geschirrs, akurat geschnittenen Wasserbecken und kunstvoll verzierten Toren mechanischer Bauart. Eine steril geschmückte Symbiose aus Schönheit und Gefangenschaft, zu der sich in der Folge die erwähnten Zwillingswesen gesellen. Auge in Auge mit dem verdorbenen Spiegelbild in funkelnden Traumwelten.

Eingebettet in einer hochsphärischen Soundgestaltung, die mit ungeahnter Sanftheit an den inneren Ruhepol andockt. Das flirrend-schwebende Klanggewebe verlockt zum puren Durchatmen inmitten der mentalen Oasenwelt. In Gefahrsituationen entwickeln dann selbst die unterschwellig pulsierend eingeflochtenen Warntonvariationen eine paradoxe Sogwirkung.

Während des Geschehens hält die Spielfigur stetigen Funkkontakt zu einer KI mit männlicher Stimmlage, der einzige Fixpunkt in den grellleuchtenden Pomplabyrinthen. Die Stimmen beider Protagonisten tragen mit passendem Timbre zur einnehmenden Stimmungsdichte bei.

Das planetenüberziehende Palastbollwerk als Schauplatz einer ästhetischen Vision in majestätischer Klangkulisse, bei der selbst das innovative Spieldesign zur staunenden Randfigur verkommt. Echo ist ein echter Geheimtip.




Sonntag, 9. September 2018

3 empfehlenswerte Youtube-Kanäle

Die hier vorgestellten Channels beschäftigen sich primär mit dem Thema "Gaming" und sind grundsätzlich US-amerikanischer Herkunft. Den Anfang sollen nun drei ausgewählte Kanäle machen. Der Fundus ist groß. Fortsetzung garantiert.

1. Shammy

Trocken-bissiger Humor trifft auf hochinformative Analysen. Die (wenigen) Reviews finden hier auf einer konstant detailverliebten Ebene statt. Qualität steht hier im Vordergrund. Einziges Manko ist dadurch die Frequenz. Neue Beiträge erscheinen ebenso häufig wie gute Exklusivspiele auf meiner geliebten Xbox One. Aber ist das nicht dann eher ein Grund, sich eben diese Zeiten rot im Kalender zu markieren? Einmal richtig abliefern, anstatt seelenlose Massenware?
Shammy ist das Warten auf alle Fälle wert.




Was gibt es nicht alles für Geschichten über die Person/en hinter diesem hochwertigen Kanal. Der Verantwortliche verfügt über ein hohes Gespür für die kleinen Details, deckt in auf den Punkt gebrachten Zusammenschnitten die akute Sinnfreiheit mancher Großveranstaltungen wie der E3 oder Awardshows auf und bewertet parallel schonungslos große Releases in ihrer meist heruntergewirtschafteten Verfassung. Ferner werden auch Hintergrundgeschehen beleuchtet und Serienteile direkt miteinander verglichen. Dies alles geschieht ohne hörbaren Kommentar. Der Channel lässt die Videos komplett für sich sprechen.
Die vormals erwähnte Niedrigfrequenz ist hier weniger der Faktor (inkonstante Uploads, dafür schon viele Videos insgesamt), viel mehr wiegt die wahnhafte Fanschar des Kanals, die nicht nur einmal dafür gesorgt hat, dass Videos umgeändert wurden. 




                         


Hierzu ist wenig zu erklären. Der Kanal beschäftigt sich zeitintensiv und in enormer Detailfreude mit den Hintergründen rund um bekannte Spielefranchises, zeigt deren Aufstieg und Fall auf. Hochinteressante Geschichtsstunden, angenehm präsentiert.




To be continued.



Samstag, 8. September 2018

Hörtest - Paul McCartney - Egypt Station (2018)

Paul ist ein Wiederholungstäter. In Fankreisen gern als Macca tituliert, war er nie das Genie, des leider viel zu früh verstorbenen, John Lennon. Nein, Paul ist trotz seines Ruhm´s, der Typ von Nebenan geblieben. Mit nun 76 Jahren legt er sein 17. Studioalbum vor. Wenn man die ganzen Beatles Alben, Wings Alben und nur die Alben mit seinen ehemaligen Bandkollegen zählt, ich hätte eine unendliche Liste an Alben auflisten müssen. Der Mann ist ein Urquell an Kreativität. Da komm ich schon zurück, zum vorliegenden Album. Als Musikhörer der heute Musik hört, erscheint einem Egypt Station, ein bisschen Retro und man meint mehr hören zu können, als z.b. die drei Takte da gerade tatsächlich rüber bringen.

Opening Station ist ein 42 Sec. Intro und man hört einen Bahnhof, der dann direkt in den eigentlichen Opener übergeht. I Don´t Know, besteht tatsächlich nur aus drei Takten, hat aber diesen Zauber, den tatsächlich nur Paul so rüber bringt. Das Klavier am Anfang und der Übergang in ein Penny Lane ähnliches Stück, verursacht sofortige Gänsehaut. Das Album hat mich. Kuss Paul, hier meine Gitarre, die nur rumsteht, weiter machen.


Come On To Me, macht da weiter und wir sind erst am Anfang. Diesmal wird es etwas rockiger, auch die Rhythmusabteilung gibt alles und sofort wippt mein Fuß beim hören. Natürlich bin ich Happy Whit You, beide Stücke spiegeln sich in meinem Gesicht, ein Lächeln huscht über mein Gesicht.


Who Cares, folgt das mit Ryan Tedder (OneRepublic) produzierte Fuh You, Paul verliert trotz Stadion beschallenden Refrain, nicht die Bodenhaftung und bleibt unser Macca. Ob er das durchhält? Aber sicher doch! Confidante überspringe ich jetzt mal, um zu seiner Message zu kommen und die ist an Schlichtheit nicht zu überbieten, People Want Peace. Da habt ihr´s, friss oder sterbt. Leise Percussion rhythmisch - unrhythmisch, steigern sich leise und immer wieder gesungen, was die Menschen tatsächlich wollen. Das sollten sich die ganzen Großkopferten, die überall und nirgendwo Verrat, Krieg und nur Schlechtigkeiten sehen, morgens, mittags und abends geben.

Ach wisst ihr was, da schnappe ich mir lieber das zuckersüße Hand in Hand von Paul und ziehe weiter. Back in Brazil, natürlich kann Paul auch Samba und mein Fuß wippt immer noch. Paul hat´s mal wieder erfasst, Do It Now und weiter geht es.

Abschließend befinden wir uns wieder auf einem zweiten Bahnhof, Station II läutet das letzte Stück ein. Hunt You Down/Naked/C-Link ist der Rausschmeißer und ein echtes Brett an Kreativität, Rock, Beat, Gitarrensolo alles drin, feiner Abschluss und schreit nach Repeat.

Klar habe ich jetzt ein paar Stücke nicht beschrieben, ich bin ja nicht Paul. Paul ist schwer umtriebig und mit 76 erwartet keiner, der Ahnung hat was für eine Legende da um die Ecke wohnt, das er sämtliche Schlichtheit in seiner Kreativität, nochmal über den Haufen wirft. Im Gegenteil, Paul erfüllt sämtliche Erwartung, die man von guten Nachbarn so erwartet. Natürlich wünsche ich mir noch mehr davon, der Zug rollt weiter, hoffentlich hat Paul noch lange zu leben und schenkt uns weiter das kleine Glück. Großartige 4/5!

Gruß Stephan