Donnerstag, 19. Juli 2018

The National - Boxer Live In Brussels (2018)

Intimste Karthasis ever!

Ka·thar·sis
Substantiv, feminin [die]
  1. Literaturwissenschaft
    Läuterung der Seele von Leidenschaften als Wirkung des [antiken] Trauerspiels
  2. Psychologie
    das Sichbefreien von psychischen Konflikten und inneren Spannungen durch emotionales Abreagieren



Den Dudenauszug hab ich nur gepostet, weil vielen scheint die Bedeutung einer Katharsis nicht klar zu sein. Deshalb zum besseren Verständnis, des nun folgenden Reviews.

Beide Erklärungen der Katharsis, finden bei dem ersten Live Album von The National, bei mir Anwendung. Und so viel vorne weg, selten, ganz selten geschieht so was in einer solchen emotionalen Dichte, wie hier.

Deshalb hab ich auch ein paar Tage gebraucht, das Album hat mich, nicht nur sprichwörtlich, regelrecht umgehauen. Zwischen Tränen wegen der berührenden Texte von The National, der Instrumente die mein Jammertal fast ohne Boden erscheinen lassen und der Produktion an sich, die keinen Tadel zu lässt, musste ich erst mal nüchtern werden. 

Ein paar Fakten. Nach den Alben Trouble Will Find Me (2013) u. insbesondere Sleep Well Best (2017) konnte man als Hörer den Eindruck gewinnen, das The National zur reinen Stadionband mutiert. Persönlich kann ich mich an kein einzigen Auftritt erinnern und auch recherchieren lässt sich da nichts, das The National einen schlechten Auftritt hin legten. Sowohl Stadion, wie auch Club wurden bespielt mit der wohl Gott gegebenen Intimität, die wir das Glück haben, das sie sie mit uns teilen wollen.

The Boxer (2007) ist für viele in Vergessenheit geraten, dabei betrachtet es man rückblickend, war es der Durchbruch für The National, endlich hörte der Mainstream zu, so auch ich. So etwas sind Schlüsselmomente für eine Band und hat sie tatsächlich noch etwas vor, nutzt sie so was auch für neue Meisterwerke. Hat dann The National auch so genutzt. Neben den oben genannten Alben, reiht sich noch High Violet (2010) ein.

Mit den vier Alben hat The National quasi ihre Trademark`s etabliert. Das sie nun bei ihren ersten Live Album, nach so langer Karriere, ausgerechnet an den Anfang zurück gehen ihrer erfolgreichsten Schaffensphase, ist nur konsequent. Das fängt beim Cover an, dem Orginalfoto in schwarzweiß, ein paar Farbtupfer des Regenbogens bei zu fügen, macht ästhetisch richtig was her. Eigentlich von der Bildbearbeitung her kein großer Akt, es zeigt nur das es oft genug die kleinen Dinge sind, die tatsächlich wichtig sind. Das geht auch völlig d'accord mit dem Selbstverständnis von The National, zumindest möchte das Cover, es einen glauben lassen.

Allein das ich mir solche Fragen stelle, beim betrachten eines Covers, sagt schon viel über die Genialität des Albums. "He Mann/Frau, das nur ein Cover, sagen andere. Nein Mann/Frau, das das Cover von „The National - Boxer Live In Brussels“, werden wir in 20 Jahren sagen." Ein Album was dem drögen Musikjahr 2018, endlich das Album des Jahres gab. Noch dazu eines der herausragenden Live Scheiben, die man wenn man Glück hat, einmal pro Dekade zu hören bekommt. Ok, ich hör auf zu feiern. Kusch, Jubelperser wieder hinlegen.



Fangen wir mit Fake Empire an, allein die Textzeile „We're half awake in a fake empire / Wir sind halbwach in einem falschen Reich“ jagt als Opener einen einen Schauer über den Rücken. Wo befinden wir uns, welchen Ort besuchen wir gerade? Richtig, Brüssel/Mehrzweckhalle, nichts besonderes sollte man meinen. Genau dort, an diesem tristen Ort, kann, nein muss man mit Fake Empire anfangen. Um meinen Gedankengang ab zuschließen, hier das Audiovideo von Fake Empire/ Brüssel /Mehrzweckhalle, im Vergleich mit dem ebenfalls tollen Auftritt vor dem Opernhaus in Sydney.



Hier der komplette Auftritt vor dem Opernhaus.


Dort wird Fake Empire an einundzwanzigster Stelle gespielt. Beobachtet Matt Berninger mal ein klein wenig genauer. Das ein Nerd, wie er im Buch steht. Das ist ausschließlich positiv gemeint. Ich glaube Matt, das seine Texte einfach sehr wichtig sind und da sie allesamt nicht unbedingt zu klaren Zeilen neigen, sondern noch entschlüsselt werden wollen, manifestiert sich der Anspruch den er an sein Publikum stellt. Wie ein Schwamm saugen sie die Texte auf und als echter Nerd, ist Matt das fast peinlich. „Worauf habt ihr den gewartet? Erschreckt mich nicht so! Nein, Jesus bin ich (noch) nicht!“

Gehen wir aber voran, nach Brüssel in die etwas schmuddelige Mehrzweckhalle, was hören wir da? Die Stimme von Matt ist über jeden Zweifel erhaben, die Gitarren klingen wie ein Metronom, perfekt von der Tonhöhe im Kontext und erst das Schlagzeug, perfekt auf die Zwölf. Gänsehaut pur mit einem, wenn auch kleinerem, Publikum geteilt.

Ich kann gar nicht auf einzelne Stücke irgendwie eingehen, weil die beschriebene Intensität an der Teilhabe an Intimität, die sicher auch durch die hervorragende Produktion zustande kommt, zieht sich durch den ganzen Auftritt. Bravo, chapó wird dem Album nicht gerecht, ich bin Unwürdig dem lauschen zu dürfen schon!

Gruß Stephan

 

Mittwoch, 18. Juli 2018

Demokratie - Was war das nochmal? oder der Tod des Hamburgers!

Es war einmal, in einem fernem Land. Ein König, von eigenen Gnaden, wurde gewählt und bereiste die gefährliche Welt. Sein Name lautet, „Trompeten Tom“ weil immer wieder stieß er ins Horn, vor allem sein eigenes Lied und posaunte hinaus, das er doch der beste und schönste König aller Zeiten war. Sein Volk liebte ihn dafür. Meist verdrückten sie Hamburger, wenn er zum selbst feiern vorbei kam. Hier ein Video davon.


Nun aber genau hin geschaut, die Fahnen und Transparente mit der Aufschrift „Make Hamburger Greater Again“ habt ihr doch sicher auch gesehen. Schade das ich nicht bei der Veranstaltung sein konnte, ich hätte ohne weiteres und gern ein paar große Hamburger mit verspeist.


Nun machte sich „Trompeten Tom“ auf nach Europa. Ein paar Hamburger waren noch nicht verdrückt und so musste er sie alle mit nehmen und in Europa fast verschenken. Halt ich vergaß, zuerst war er nach Korea gereist, dort traf er auf "Kaiser Schweizerrakete mit Asiatischen Wurzeln". Ebenfalls ein Video.


Als „Trompeten Tom“ in seinem bescheidenem Auto „Kaiser Schweizerrakete mit Asiatischen Wurzeln" die Hamburger zeigte, die er mitgebracht hatte, schlug der sie einfach aus. Ok er versprach keine Reisleckerein mehr zu verdrücken, etwas beleidigt zog „Trompeten Tom“ dann doch von dannen. Dazu gibt es leider kein Video, aber gesichert ist, das beide etwas abnehmen müssen. "Kaiser Schweizerrakete mit Asiatischen Wurzeln" sicher deutlich mehr, weil halt kleinwüchsiger Asiat. Reis macht halt fetter, als Hamburger.

Nächste Station war dann Europa. Hier und anderswo versammeln sich regelmäßig, die besten Hamburgerverdrücker der gefährlichen Welt. Insbesondere „Mauerblümchen Mutti“ sollte mehr Hamburger verdrücken. Da sie auch nicht mehr so gut in Schuss ist, wie damals als sie Blümchen von eben einer Mauer gepflückt hat, lehnte sie das ab. Davon gibt es nur ein Foto, das aber genau zeigt wie widerlich die Hamburger inzwischen schmeckten.


Noch einmal trafen sich einige der besten Hamburgerverdrücker auf einer Besteckmesse. Und wieder hatte „Trompeten Tom“ seine gammeligen Hamburger dabei. Diesmal hatte er aber einen Vertrag für mehr Besteck auch noch dabei. Allen wurde schlecht, feinstes Silberbesteck und gammelige Hamburger gehen gar nicht. Fotos oder Videos gibt es zum Glück nicht.

Das nächste Video zeigt uns London, die unheimliche Hauptstadt von „Queen mir bricht alles weg Mayflower“. Mit zitternden Knien empfing sie ihn. Wieder präsentierte „Trompeten Tom“ seine Hamburger, aber sie reichten nicht mal mehr, um das zerbrechen von London zu kitten. Ein wirklich tragischer Besuch.

  
Zu guter Letzt, es ist nicht überliefert ob mit dem dicken Auto oder mit seinem Flieger, reiste „Trompeten Tom“ zu „Zar KGB - I Make Hamburger Small“. Wie schon der Name aufzeigt, der schwierigste Besuch, zweier ehemaligen Todfeinde. Ihr erinnert euch an diesen Film? Zu sehen „Trompeten Tom“, als er noch deutlich mehr Hamburger verkauft hat.


Das ganze endete damit das „Trompeten Tom“ „Zar KGB - I Make Hamburger Small“ versprach, neue Hamburgerbrötchen zu backen, irgendwann. Umgekehrt versprach „Zar KGB - I Make Hamburger Small“, diese dann auch nicht ganz so klein mehr zu machen. Hier das Video.

 

Was bleibt zu sagen? Und wenn sie nicht genmanipulierte Bio Maishähnchen verwendet hätten, für den Fleischtaler, dann wären die Hamburger auch nicht so schnell vergammelt.

Gruß Stephan

Sonntag, 15. Juli 2018

Stephan´s Trailerwundertüte

Mach eine neue Rubrik auf, da neben Musik Filme schon immer eine große Rolle gespielt haben und ich glaube ein bisschen darüber euch aufzeigen kann. Nicht belehrend, sondern als eine Art Infokompass damit ihr euch gut unterhalten fühlt.

Alpha - Starttermin 6.9.2018

Es gibt zwei Trailer auf Deutsch, der erste tendiert von der Stimmung in Richtung "The Revenant", was ein sehr düsteres Überlebensdrama war und mir persönlich schon fast zu böse. Auf jeden Fall , viel zu brutal. Seht selber:
Trailer 1


Der zweite Trailer geht dann in eher in Richtung Familienfilm bzw. "Der mit dem Wolf tanzt". Ich mag Stimmen aus dem Off, nur hier wird mir fast zu warm in der Eiszeit. Seht selber:

Trailer 2


Viel kann man über die eigentliche Qulität des Filmes anhand von Trailern eh nicht sagen, aber wenn zwei Trailer so unterschiedlich zu sehen sind, dann ist erstens der Film noch nicht ganz fertig geschnitten und zweitens machen sich die Filmschaffenden wohl noch Gedanken. Das ist beides als Indiz zu werten, das der Film einen gewissen Anspruch genügen soll und nicht ein schnell produziertes Gemurkse werden soll.

Kin - Starttermin 13.9.2018


Der Kin Trailer sieht nach feiner Popkornunterhaltung aus. Ich mag Filme die neben den Blockbusteruniversen al a Marvel oder DC, versuchen ihre eigenen Oberhelden bzw. Schurken zu etablieren. Filme wie "300" sind genau mein Ding. Popkorn mit dem Anspruch lecker zu sein.

Beautiful Boy - Starttermin 29.11.2018


Da muss man erstmal den Klose aus dem Hals wieder abschwellen lassen. Wenn der Film genau die gleiche emotionale Wucht wie der Trailer rüber bringt, wird das der Oscarabräumer 2019. "Coming Of Age" - Dramen, da ja selber in beiden Rollen so oder ähnlich erlebt, sind ein Garant für Oscarpreise und volle Kinos.

Gruß Stephan

Samstag, 14. Juli 2018

Das Netz und die sozialen Medien sind neutral!

Die obengenannte Überschrift hab ich heute von Ulf Kubanke vernommen. In einem kurzem Chat, wo ich erklärte, das mich das Netz und die sozialen Medien total an nerven, manchmal. In meinem Oberstübchen gingen sofort hunderte Alarmglocken an und hinterließen viele Fragezeichen.

Von Guillaume Paumier - Eigenes Werk, CC BY 3.0


Angesichts von Trump, Facebook, Twitter und alle anderen Skandale halte ich es für sehr gewagt, um es nett zu sagen, das Netz als neutral zu bezeichnen. Sobald man die kleinste Info ins Netz stellt, egal wo, ist man ein Objekt. Bei Trump z.b., das man mit Fakenews und seiner Herrlichkeit regelrecht bombardiert wird. Bei Facebook stehen knallharte Interessen irgend einen Scheiß einen unter zu jubeln dahinter und machen den Zuckerberg immer reicher. Und ja ich neide es ihm, das er mit Scheiße, sein Geld versteht zu machen.



Natürlich hab ich gelacht, aber eher aus Trauer, als der Zuckerberg vor US Senat und EU Parlament aussagen musste. Das damit für etliche Jahre Ruhe herrscht , an einer Front die für viele Menschen großen Einfluss auf ihr Leben hat, ist da zementiert worden. Dabei müsste man anfangen Kontrolle einzurichten, bei den sogenannten neuen Medien. Das meint nicht Zensur. Das meint grundsätzlich eine Internetgesetzgebung, die man Weltweit durchsetzen kann.



Es reicht nicht, wenn der Stephan ein,zwei Gedanken zu Facebook und Co. in seinen Blog kritzelt. Es müssen sich endlich die führenden IT Köpfe, Juristen, Philosophen, Medienvertreter, Religionsstifter und auch Politiker zusammen setzen und eine Art Internetlaw anfangen zu erstellen. Das dann durch die Parlamente gejagt und abgesegnet durch eine Verfassungsrichtbarkeit. Ich halte jede Wette, Populisten der Welt, Kriegstreiber, Diktatoren können anfangen ihre Gräber zu schaufeln. Wer möchte sie den nicht, besser gestern als morgen, los werden?



Naiv?



Sicher ist das nicht so einfach zu händeln, schon garnicht Weltweit. Es sollte auch nur deutlich machen, auf welchen einfachen Geist das Internet und seine Geister trifft und dass das alles andere als neutral ist.



Noch ein Gedanke. Im Chat oben sagte ich abschließend so was wie, man könne nicht mehr ohne Internet leben. Das ist Kapitulieren. Nie kapituliere ich vor irgend etwas was der Mensch geschaffen hat. So lange mir die Möglichkeit bleibt mich gegen Unfreiheit, Gängeln, Diktat zur Wehr zu setzen z.b. durch einen Blog, auch wenn kaum 20 Leute das hier lesen, werde ich mich wehren. Und sei es nur mein kleiner Kopf, der sich dadurch besser fühlt. That´s Life!



Gruß Stephan

Gunners Gelsenkichen 2018

So das mein erstes selbst erstellte Video, was ich veröffentliche. Deswegen entschuldige ich mich schon mal für einzelne Wackler und das bisschen Gelaber (stelle eindeutig die falsche Frage) zwischen drin. 


Neben mir saßen ein Geschwisterpaar, wo er mir die komplette Lebensgeschichte seiner Schwester erzählte, zumindest immer wieder nette Episoden aus dem Leben seiner Schwester.. Sie war nämlich Anfang der 90iger schon mal auf einem Gunners Konzert gewesen und deshalb wäre er nun auch da. Die kleinen schlüpfrigen Details erspare ich euch aber. Nur so viel, sie muss um die 17-20 damals gewesen sein und eine recht attraktive junge Frau halt, die voll auf Axl stand. Die kleinen Freudenseufzer, in schöner Regelmäßigkeit, habe ich nicht aufgezeichnet. Ärgert mich ein bisschen, die waren ein kleines Highlight und selbst Axl hätte seine Freude daran gehabt.

Im Video ist eine komplette Familie mit 14-16 Jahre alten Kindern zu sehen. Die waren auch ganz köstlich. Da ich natürlich neben meinen Ohren auch meine Augen überall habe, fällt mir so was natürlich immer auf.

Insgesamt war das Konzert das versprochene Highlight des Jahres. Denke man hört und sieht auch ein klein wenig das es echt, trotz Oberrang und günstige Karte, sein Geld wert war.


Gruß Stephan

De/Vision - Citybeats (2018) Review

Citybeats...was genau erwarte ich darunter? In meiner langjährigen Hörerkarriere im De/Vision-Kosmos hab ich mich nie um Albentitel geschert. Manchmal waren sie zutreffend, wie beim emotional zerütteten "Two" oder dem Producerneuland "Noob", doch ab und an schlicht dem hyperelektronischen Wohlfühlklima untergeordnet.

Diesmal will ich mehr. Unter der Flagge des 30jährigen Jubiläums peitschen Elektrowellen durch urbane Häuserschluchten, wirbeln an gläsernen Fassaden vorbei gen, von gleißenden Neonleuchtreklamen, tapezierten Horizont. Pulsierend, lebendig und dennoch voll fragmentierter Erinnerungsfetzen auf dem dampfenden Asphaltgrund treibend.
Das Cover verdeutlicht die gesichtslose Anonymität der klagenden Metropole in der Skizzierung streng blockhafter Häuserreihen in stahlgrauen Schablonenfarben. Hinter jedem Mauerwerk tiefgreifende Geschichten, Emotionen, Ideen.

So die blanke Theorie. Die Ausführung stockt jedoch zunächst. Der Opener befasst sich mit der Schwüle nächtlicher Strömungen, sanfter Wind haucht durch die Stille. Illuminierte Fensterfronten, als vage Lichtpunkte in der Ferne verleiten zum Sinnieren.

Doch das Soundbild skizziert (und das sei als Spoiler schonmal verraten) hier wie auch auf der Gesamtlänge ein melancholisch verschwommenes Gerüst, dessen bleierne Schleierwolken wie schwermütig stumme Kollosse auf die Arrangements blicken.

Gepresste Vocoderflächen und sirenenhafte Synthiesalven befeuern die andächtig geformte Hookline von "In the still of the night", das jedoch in seiner betuchlichen Form höhepunktslos durch die Schwärze wabert. In "Joys of paradise" dominieren kathedralenhafte Glockenschläge die sinnistere Atmosphäre, blass und leer das Gemäuer, schwere Vorhänge im Dämmerlicht wiegend. Keths Gesangsstruktur bewegt sich nostalgisch eingefärbt auf stets dergleichen Ebene. Fast meint man eine Rückbesinnung in die Anfangszeiten angesichts des Jubeljahrs. "Dystopia" setzt noch einen obendrauf. Langgezogen und gespenstisch bahnt sich eine gräuliche Betonmasse von ohnmächtigen Trommelkreisen begleitet ihren Weg durch den Erdgrund, verschlingt, erschüttert das Grün. Was bleibt sind mattfarbene Industrieländereien, bevölkert von metallischen Schattenwesen

So freudlos diese Vorstellung, so zäh und monoton leider auch die akustische Ausmalung vor dem inneren Auge. Von den erhofften Citybeats bislang zu wenig.

Die Single "They won't silence us" bekommt eine leichte Soundpolitur, speziell am Anfang, am Ende wurde gekürzt, doch existiert ohnehin 
eine famose extended version. Gleichgeblieben ist der Umstand, es hier mit einem der stärksten De/Vision Tracks seit 8 Jahren zu tun zu haben. Ganz besonders die beschwingte erste Hälfte brilliert mit schwereloser Ästhetik im Klangraum. Vitale Synthieeffekte, ein hochmelodisch kurz angetipptes Tastenthema, Adam als sympathische Zweitstimme. Hier stimmt so vieles. Ich sehe auch flirrende Farbtupfer durch graubraune Lagerhallen tanzen, Tore durchbrechen, hinaus Richtung Skyline. 
Die zweite Halbzeit gibt sich surrend ruhiger, spricht den Hörer direkt an. Hier ist noch lange nicht Schluss.

"Not in my nature" ist druckvoller, verwegener. Die Grunduntermalung pirscht sich an orange glimmendem Laternenschein vorbei durch verwinkelte Straßenzüge. Die Stimmung ist kühl, doch einnehmend. In der Folge wird das Tempo noch leicht erhöht, pocht elektronisch ausladend dem Nachtschatten entgegen.

Nun folgt die stärkste Phase des Albums. "The brightest star" glänzt wie ein dunkler
Diamantenstein in lockender Düsternis. Schwer schreitend, endlich auch elegisch schmeichelnd schmiegt sich die einnehmende Hook an Seiten der nocturnalen Instrumentalisierung.

"Under heavy fire" ist schließlich die Erfüllung meiner citybeat-affinen Erwartungen. Es blitzt, surrt, glitzert aus den Boxen, der Refrain dazu bleibt stark haften. Keth singt energisch, die Klangwogen funkeln, wirbeln durch den Moloch. In den finalen Momenten lässt Adam den Song atmen, zaubert schon fast eine extended Fassung und zelebriert das artifizielle Momentum.

Toll! Leider wird dieses Niveau nicht exakt gehalten. "A pawn in the game" bleibt auf der selben Temposchiene, ist jedoch ungleich weniger markant in der Ausfertigung. Die durchgehend vitale Grundstimmung ist nach dem eher schleppenden Albumstart aber zu würdigen.

Rauchig, roh und bissig. Das folgende "A storm is rising" belebt mit rockiger Struktur Heiligtümer der Void-Dynastie, wischt die Schwermut weg. Hypnotisch und prägnant. Genau das hat das Album zu diesem Zeitpunkt gebraucht. Als Bonus gibt es ein unbeschwert synthgestütztes Motiv welches als eigenes Songoutro fungiert.

Als Closer betitelt ist stilecht "A last goodbye" vorgesehen. Doch anstatt tragender Ballade ist der Song durchaus tanzbarer. Düstermattiert instrumentalisierte Hintergrundtöne führen den Hörer die steilen Stufen des höchsten Gebäudes inmitten des umtriebenen Cityareals hinauf. An der Spitze dieses stählernen Wächters fällt der Blick auf die entrückte Großstadt in der fahlen Abendsonne mit all ihren Geheimnissen.

Fazit: Ich hätte mir viel mehr befreiendere Stücke gewünscht, über allem thront eine dumpfe Mechancholie. Gegen ein ruhigeres Werk ist nichts einzuwenden, ein wenig mehr Überraschung, Melodik und Tempo hätten Citybeats gutgetan, dennoch überzeugt eine generell schöne Vielseitigkeit, parallel zur Stadtthematik passend. Obwohl es diesmal durchaus weniger eingängig funktioniert, sehe ich langfristig ein enormes Wachspotential. Daher vergebe ich beruhigt 4/5 Sterne.

Donnerstag, 12. Juli 2018

Blackout am Mischpult oder den Instrumenten?

David Bowie - " Welcome To The Blackout (Live London ’78)"

 

Nach langer Zeit schreib ich mal wieder auf dem Blog und muss mich dafür auch entschuldigen, aber schauen wir nicht zurück, sondern richten den Blick über irgendwelche Tellerränder hinaus.

Die folgende Kritik entstand für einen Faden, bei Laut, zu einer Kritik von Ulf Kubanke zu dem Album.

Das Video entstand zwar zu dem Stage Live Album, was 78 veröffentlicht worden ist, zeigt aber schön woran die aktuellen Blackout Aufnahmen leiden.

Ein bisschen Nachdenken hilft oft bei der Argumentation. Ich muss gestehen ich bin Bowie Fan, genau wie ich auch Queen Fan bin, nur und da wäre ich beim Thema, zu ihren Gralsritter verkomme ich nicht. Mir kommen bei Queen so Sätze über die Lippen, das es auch was gutes hat das Freddie gegangen ist. Da ich mir nicht vorstellen möchte, das er ähnlich wie Angus Young mit seinem Schulanzug über die Bühne hoppelt und mit seinem Mikrofonstock sich zwischen den Beinen was auch immer hervor angelt. Das sähe einfach lächerlich aus, nicht nur bei Freddie.

Musiker und ihre Musik soll zum träumen anregen und nicht Alpträume hervorrufen. Eventuell ein wenig altmodisch, das mit dem Träumen, in einer Welt die aktuell einen Alptraum nach dem anderem zelebriert, das gebe ich zu.

Nun aber zu dem Album „Welcome To The Blackout ( Live London ‘78)“. Alle Songs die Bowie zu dem Zeitpunkt ausmachten sind enthalten. Angefangen mit Warszawa u. Heroes über Speed Of Live endet das ganze bei Rebel, Rebel. Nehme ich die vier Stücke, die bis zuletzt zu Bowies Standards avancierten, dann fehlt ihnen sämtliche Wärme vom Klang her. Ok das eine Live- Aufnahme und sie hat 40 Jahre auf dem Buckel, damit lies sich das entschuldigen. Glaube ich aber nicht. Zumindest komplett reicht das nicht als Erklärung.

Hört euch einfach Sense Of Doubt an. Auf dem Heroes Album folgen Moss Garden u. Neuköln. Man kann sagen Sense Of Doubt, weil rein instrumental, ist regelrecht eingebettet in das Album. Bekomme jedenfalls, allein von dem Teil, immer noch eine Gänsehaut. Bei der Blackout Version hat gerade der instrumentale Song eine Art Blackout und es hört sich wirklich nicht nach Bett an, geschweige den eingebettet. Das geht noch bei einigen Stücken so, das die Instrumente sich anhören als wenn sie entweder verschütt gegangen sind, durch die lange Lagerzeit der Aufnahme oder damals einfach schlecht bespielt worden sind. Ich wette letzteres trifft zu und der jetzt Verantwortliche für die Veröffentlichung hat den Hörsinn, aus welchen Gründen auch immer, beiseite gepackt.

Das es nicht die Aufnahme an sich sein kann, beweisen aktuelle Aufnahmen von anderen Bands (u.a. Queen) aus den Siebzigern. Die Technik dafür war auch damals schon sehr weit, um die fallende Stecknadel, sprichwörtlich zu hören. Die heutige Remaster- Möglichkeiten ergeben den Rest.

Ok, werde ich ein wenig wehmütig und muss in Betracht ziehen das Blackout wirklich eine halbwegs gescheite Aufnahme aus der Zeit ist, die archiviert wurde. Dann hab ich mit Blackout wohl den Kampf mit meinen Tränen noch zu kämpfen. Das auch ein Wert, wenn auch ein sehr trauriger. Kopf hoch, gemeinsam weinen soll genauso hilfreich sein wie gemeinsam lachen.

Deshalb nur subjektive, tränenreiche 3 von 5 möglichen Points. Wobei der dritte Point in Richtung Anwalt geht, so als Friedensstifter oder so was.

Noch ein Gedanke, ich glaube nicht das Bowie wenn der Live auftrat, irgendwelche 30 Dollar Instrumente auf der Bühne zuließ, dafür war er viel zu pedantisch. Das er damals wahrscheinlich den einen oder anderen Handwerker als Musiker mit auf der Bühne erduldet haben muss, ist auch klar. Damals für so aufwendige Shows, mussten sich insbesondere Solokünstler, jedes mal die Gruppe/Band neu zusammen suchen, dann blieb oft nicht viel Zeit um sich einzuspielen.

Gruß Stephan