Prag im Herbst - Deus Ex Mankind Divided (2016)

Buntgefärbte Blätter wirbeln im regen Windspiel über oxidhelles Kopfsteinpflaster in den verschlungenen Seitengassen Prags. Es wird kühler, das Leben weicht aus den geschäftigen Straßenzügen, treibt die Menschen ins wärmende Innere. In der Ferne steigen noch immer anthrazitfarbene Rauchschwaden gen bewölkter Himmelsdecke. Die Blicke der Menschen, die ohnmächtig an Interpol-Agent Adam Jensen vorbeihuschen sind voller Sorge, Zeitzeugen der Angst.

Eine brachiale Explosionswelle, die den Bahnhofsbereich in einen geisterhaften Glutofen transformierte, ruft den augmentierten Task Force Spezialisten Jensen auf den Plan und es ist an ihm, den ruchlosen Terroranschlag zu untersuchen, die Schuldigen zu fassen, inmitten einer zerrissenen Gesellschaftsform aus Überwachung und Skepsis. Zwei Jahre nach dem Vorgänger "Human Revolution" und dessen final einschneidend-tödlichen Vorfällen ist die Bevölkerung gedanklich geteilt, verunsichert, voll Argwohn und Misstrauen gegenüber augmentierten Menschen. Jene sind mit Hilfe hochtechnisierter Prothesen überlegen agierende, selbstoptimierte Bio-Cyborgs. Die schillernde Krone des Fortschritts. Doch die schattigen Kehrseiten verdunkelten einst strahlende Zukunftsperspektiven in Folge eines kritischen Vorfalls, bei dem die Prothesen der Augmentierten global kurzzeitig aussetzten, mit teilweise verheerenden Folgen für die unbeteiligte Zivilbevölkerung. Die Aktivierung eines unbemerkt implementierten Softwarecodes, die der enigmatische Geheimbund der Illuminaten zur kompletten Kontrollübernahme sämtlicher Augmentierten weltweit einsetzen wollte, wurde von einer radikalen Hackergruppe ausgelöst, um den technologischen Fortschritt massiv auszubremsen.

Jensen befindet sich im Auge eines virulent tosenden, cybernetischen Sturms, durchsetzt von Terror und Desinformation. Die Ära des Transhumanismus weht durch pittoreske Straßenschluchten Prags, vorbei an graffitidurchzogenen Backssteinmauern, dem leisen Surren hochmoderner Polizeiüberwachungsdrohnen und malerischer Flusspanoramen. Neuzeit trifft auf Romantik innerhalb der magischen Stadt mit unterirdisch vernetzten Kommandozentralen in cleaner Optik unter harmlos verträumten Geschäftszeilen. Die Gegensatzstruktur dieser Utopie findet durch diese gelungene Schauplatzwahl eine angemessene Bühne. Ein verschnörkelt-technisiertes Antonym in spielbarer Form.

Neben der dominierenden Prag-Kulisse überzeugen auch die weiteren (Neben)Schauplätze: Startpunkt/Tutorial Dubai als Stahlstätte sandiger Betontürme in golden-flirrender Ausleuchtung, die idylische Kühle Schweizer Gebirgsketten mit sterilen Bunkeranlagen oder der Blick auf die entfernt nächtliche Skyline Londons in der Distanz eines hochgerüsteten Bürokomplexes. Selbst Golem City, das cyberpunk-orchestrierte Sammelbecken der Augmentierten ist ein weitläufiges Areal voll grellflutender Lichtquellen auf diffusen Rost-Texturen mit unbestimmten Störsendern im Hintergrundgefüge.

Doch Prag ist Star und Motor dieses gelungenen vierten Teils eines sich leider auf Eis befindenden Franchises.

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