Gestern war ich im Hallenbad, schwimmen. Beim vorbereitenden Packen hatte ich die Wahl zwischen der roten, weiten Badehose, welche ich im Sommer in Italien kaufte, weil ich vorher zuhause vergessen hatte, meine eigentliche Badehose einzupacken, und meiner eigentlichen Badehose. Meine eigentliche Badehose kommt aus Belgien, aber nicht, weil ich vor dem Urlaub, in welchem ich sie dort kaufte, vergessen hatte, meine zuvor eigentliche Badehose einzupacken. Ich entschied mich für die belgische Badehose.
Im Jahr 2022 war ich in Belgien. Wenn ich hier "ich" schreibe, versteht sich von selbst, dass ich auch noch andere Menschen meine, aber um die soll es hier nicht gehen. Der Ort des Urlaubs hieß Profondeville und liegt in der Nähe von Namur in Wallonien. Eine sehr schöne Gegend übrigens. An einem Tag wurde ein Ausflug unternommen zum Aqualibi, dem Wasserpark des großen Freizeitparks Walibi in Wavre, in der Nähe von Brüssel. In Vorbereitung auf diesen Ausflug wurden, wie wir das bei Auslandsreisen zu tun pflegen, die lokalen Regeln und Gebräuche hinsichtlich des Ausflugziels studiert. Dabei ergab sich ein Problem.
Der Dresscode
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Auf der Internetseite des Walibi überdeutlich: Keine Badeshorts! |
Auf der Internetseite des Walibi ist die Information relativ prominent platziert, nicht einmal lesen muss mensch dafür. Anscheinend sind dort keine weiten Badeshorts erlaubt (und keine Strings und keine Ganzkörperanzüge, aber offensichtlich ist es von untergeordneter Wichtigkeit dies zu kommunizieren), ich hatte allerdings nur Badeshorts im Gepäck. Ich hatte überhaupt noch nie darüber nachgedacht etwas anderes als Badekleidung zu nutzen.
Bei anderen Schwimmbädern in der Gegend gilt die gleiche Regelung. Eine kurze Recherche ergab, dass dies dort gesetzlich vorgeschrieben ist. Etwas amüsiert suchte ich nach der Ursache oder Begründung für dieses Gesetz. Und diese fand ich dann und fand sie ebenfalls amüsant. Dieses Gesetz sollte verhindern, dass Besucher der Bäder unter ihrer Badehose ihre Unterhose anbehielten. Und ich dachte mir: "WTF? Gibt es wirklich Menschen, die sowas machen?".
Jedenfalls folgte auf der Fahrt nach Wavre noch ein Zwischenstopp bei einem großen Sportartikel und -bekleidungsdiscounter, wo ich die belgische Badehose erwerben sollte. Der Gesetzeslage entsprechend gab es dort auch nur Enganliegende, entweder als Boxer oder als Slip. Meine Wahl fiel auf das günstigste Modell im Boxer-Schnitt, denn eigentlich war sie nur zum einmaligen Gebrauch gedacht.
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Das müsste das Modell sein |
Im Walibi selbst wurden mir dann alle Zweifel ob der Durchsetzung des Gesetzes, die ich zuvor noch gehabt hatte, genommen: Ein Mann wurde von einem Mitarbeiter auf das Verbot hingewiesen und ihm wurde wegen seiner Badebekleidung der Zugang zum Schwimmbad verwehrt, jedenfalls so lange ich in Hörweite war. Im Schwimmbad selbst (es ist übrigens ein sehr cooles Schwimmbad und, gerade mit Familie, einen Besuch wert) war dann die Heiligkeit des belgischen Badehosengebots überdeutlich sichtbar, nicht einen Besucher sah ich, dem ich nicht ansehen konnte, dass er keine Unterhose unter der Badekleidung trägt.
Ich sah noch etwas anderes ein an diesem Tag. Baden und Schwimmen mit einer engen Hose ist wesentlich - WESENTLICH - angenehmer als mit so einer komischen, weiten kurzen Hose, wie ich sie zuvor immer genutzt habe. Keine entweichende Luft beim ins Wasser Gehen, keine halbe Stunde Tropfen nach dem heraus Kommen. Und wesentlich wendiger war ich auch, warum nur hatte ich mich all die Jahre zuvor mit dieser selbstgewählten Qual rumgeplagt?
Jemand könnte ja was sehen!
Zurück in Deutschland war ich einiger Zeit später erneut schwimmen, mehrmals sogar. Und ich trug dabei die belgische Badehose, aber noch mehr trug ich das Wissen über die Ursache des Gesetzes in meinen Gedanken, und eine Welt des Schreckens offenbarte sich mir: Bei jedem Besuch sah ich Männer, die unter ihren weiten Badeshorts ihre Unterhosen trugen! Manchmal nur wenige, manchmal furchtbar viele, und ich fragte mich: Warum? Warum machen die das? Die Unterhose wird darunter doch nass und ein bisschen eklig ist das doch auch. Welchen Vorteil versprechen die sich davon?
Da ich aber keinen von denen Ansprechen wollte - es war mir dann doch zu unangenehm mit "Tschuldigung, mir ist aufgefallen, dass du da unter deiner Badehose noch ne Unterhose an hast, warum eigentlich?" in das Leben dieser Fremden einzudringen - redete ich darüber im Freundes- und Bekanntenkreis und fand jemanden, der mutig genug war einzugestehen, dass er das auch machte und mir seine Motivation erklärte.
Es war schlicht und ergreifend die Angst vor der (ungewollten) Nacktheit in der Öffentlichkeit. Angst davor, dass die Badehose sich lösen könnte bei einem Sprung ins Wasser oder auf eine andere, nicht näher bezeichnete Art und Weise. Dass dies bei einer weiten Hose wahrscheinlicher wäre als bei einer engen, und wie oft das denn schon passiert sei, waren Argumente, welche ich vorbrachte, ihn aber zumindest in der Situation nicht umstimmen konnten. Etwas irritiert beließ ich es dabei und habe seitdem auch noch kein Update zur Badehosensituation des Bekannten eingeholt.
Aber ich selbst verstand, dass das trotzdem auch der selbe Grund war, warum ich früher immer eine weite Badehose trug. Mit der belgischen Badehose bin ich nackter als zuvor, jeder Mensch, der es sehen will, kann sehen, dass da ein Penis unter der Badehose ist. Und diese eigene Nacktheit war in meinem eigenen Kopf lange Zeit sehr schambehaftet, auch wenn mir logisch klar gewesen ist, dass die negativen Auswirkungen davon, in der Öffentlichkeit unbeabsichtigt nackt zu sein, eigentlich sehr gering sind. Möglicherweise würde es andere Menschen amüsieren, und diese Menschen wüssten dann, wie ich nackt aussehe, was ja in unserer Gesellschaft ein Geheimnis ist. Objektiv würde ich keinen Schaden davon tragen. Aber die Peinlichkeit, die Scham, das Gefühl, davor hatte ich Angst.
Diese Angst vor der eigenen Nacktheit habe ich erst mit Mitte 20 überwunden. Da wurde ich von einer Freundin gefragt, ob ich mit ihr in die Sauna gehen würde. Sie meinte einen größeren Saunagarten, in dem die Kleiderordnung vorsieht, dass mensch maximal einen Bademantel oder ein Handtuch trägt, aber gerne auch weniger, und in dem es nur Sammelumkleiden und -duschen gibt. In mir sträubte sich vieles gegen diese Idee, aber letztendlich sagte ich zu und zog es durch, und diese Überwindung hat sich massiv gelohnt, selten so etwas entspannendes erlebt und seither besuche ich in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen solche Saunagärten und habe auch gar kein Problem mehr mich dort nackt zu zeigen.
Dass ich bis vor ein paar Jahren noch die weiten Shorts zum Baden trug, war etwas, was aus meiner vorherigen Angst eine Gegebenheit war. Das Ablegen der Angst ändert aber erstmal nichts, ich brauchte erst einen äußeren Impuls um zu begreifen, wie diese Angst vor dem Nacktsein mich immer noch einschränkte, obwohl ich die Angst selbst schon abgelegt habe.
Wie auch immer, ich danke der belgischen Gesetzgebung für ihre unbestechlichen Badebekleidungsregelungen, der Freundin, die mich zum Saunabesuch überredete und dir, geneigter Lesender, für deine Zeit. Und ich rate dir: besorge auch du dir eine belgische Badehose.
Die Wahrheit monegassischer Fernvernunft akzentuiert die Notwendigkeit der Verlängerung unserer Schlummerfunktionsauffassung durch Betrachtung einmalig zuschaltbarer Werbevideos trotz Beschränkung derselben Funktion auf zwei Iterationen.
AntwortenLöschenGlaubhaft begründet wohl auch in belgischer Badekultur, nein, sieht man davon ab, wovon spontan-emotional das Tragen mehrmaliger Unterhosen weitaus mehr abhängt als das alleinige Umschmiegen des zentralen Mannesschwunges, so lautet die Benennung eher Badekult, dann sei die politische Zusammenarbeit Belgiens mit jedweder Kleinstaatgebildekonstellation klar fortschrittlich paraphrasiert und zugleich eng und bedrückend wie blau gepresste Geschlechtsorgane in der blauen, korsettartig anliegenden Bsdehose belgischer Machart, die der deutsche Tourist einst erstanden haben mag.
Eine gute Analyse bedarf eines fest sitzenden, nicht schwingenden Mannes, so wahr dies klingen mag, auch seines definierenden Teils, weshalb man(n) in Monaco in Betracht zog, ebenjene eingangs erwähnte Funktion per Dekret zu blockieren. Jedoch erlangen wir nach Lektüre der Badehosenparabel die notwendige und unumgänglich fixierende Erkenntnis, dass sowohl jene Funktion als auch die Badehose eng am Mann sein müssen.
So weit, so gut.